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49,95 Euro Mac Books bei Otto! oder was?

Die Szene war sehr erstaunt, als dem großen Versender vor einigen Tagen ein vermeindlich gigantischer Fehler unterlaufen ist. In seinem Shop waren, uups - ausgerechnet Mac Books mit einem falschen Preis ausgestattet. Nette Kampagne dachte ich mir, als Verschwörungstheoretiker steige ich auch voll drauf ein und meine, das ist doch ein "FAKE".

Für mich schaut das folgendermaßen aus:

  • jemand trägt zufällig und ausgerechnet bei Mac Books (dem In-Artikel) sehr sehr falsche Preise ein
  • dann dauert es noch sehr sehr lange, bis der Fehler erkannt wird, immerhin zw. 4000-6000 Kunden schaffen es ein MacBook zu bestellen
  • dann sind die Kunden der Meinung, anhand einer automatisierten Bestellbestätigung bereits eine Auftragsbestätigung erhalten zu haben, das Geschäft sei rechtsgültig (ist das wirklich so bei Otto?)
  • dann entschuldigt sich Otto von höchster Stelle
  • Otto entschuldigt sich bei jedem Geschädigten mit einem werbewirksamen 100Euro Einkaufsgutschein
  • 50 der Kunden sollen auch noch eine Mac Book erhalten, per Losverfahren

aus PR/Marketingsicht kommt dabei folgendes raus:

  • Fehler können auch mal beim Riesen Otto passieren (ist ja auch nur ein Mensch)
  • das Management ist schnell und entschuldigt sich
  • sofort werden die Besteller entschädigt
  • am Ende war Otto offensichtlich für den Ernstfall gut vorbereitet
  • das Reputationsmanagement funktioniert sehr gut

aus Kundensicht sehe ich folgendes:

  • wer ist jemals so dumm (sorry: "naiv") und glaubt daran ein Produkt für einen solchen Preise erhalten zu können? es fehlt dem jegliche gesetzliche Grundlage
  • nicht mal ein Gericht kann Otto verdonnern, die Produkte für den Preis nachträglich rauszuhauen, dann wäre das nämlich Wettbewerbsverzerrung und selbst Apple würde dem den Hahn zudrehen
  • welcher Shop bestätigt heute den Auftrag automatisch ohne zu prüfen, ob die Bestellung realisierbar ist (wahrscheinlich nur Otto)
  • das viele auf dem Trittbrett aus Spaß mitfahren wollten, kann ich verstehen - Schadenfreude ist gerade im Kapitalismus für viele eine große Genugtuung
  • schön dass sich so viele mit dem Unternehmen Otto beschäftigt haben, vor allem kann man davon ausgehen, dass die Mac Book Zielgruppe zur Zeit eher nicht zur Otto Zielgruppe gehört

Wenn man sich den Vorfall also genau anschaut, riecht er doch sehr nach "geplant". Es ist zu perfekt und zu effektiv gelaufen für Otto. Wo bekommt man denn solch gute PR in einer so schlecht greifbaren Zielgruppe her? Geht nur mit BAD NEWS à la "RedBullCocainCola". Bravo, aber vielleicht doch nur ne Verschwörungstheorie!

Es stellt sich allerdings die Frage, worin sich die einstigen Großen: Otto, Quelle, Neckermann usw. von den neuen etablierten Shops im Internet unterscheiden können!

Wo sind die Alleinstellungsmerkmale, wo ist ist der Nutzen, der Vorteil? Will ich wirklich in einem neutralen Riesensortiment suchen, oder will ich lieber in einem kleinen feinen Shop schnell einen Artikel finden, der mir paßt. Die Gefahr bei zu großer Artikelauswahl ist, dass man sich nicht entscheiden kann, dass man nichts findet, Chaos, Überangebot, viel zu bunt, kein Charakter > wozu dann bei Otto, Quelle und Co. einkaufen?

Sind diese Versandhändler nicht von gestern?

Amazon

Ist Amazon eigentlich anders? Oder nur deren Marke vielleicht? Wer mag eigentlich Amazon? Und wer kauft da mehr als Bücher ein?

Vielleicht habt Ihr Lust auf diese Diskussion, dann nutzt bitte die Kommentarfunktion!

24.08.2009
veröffentlicht von:
Denis Bartelt
veröffentlicht in:Web 2.0
Dieser Beitrag wurde noch nicht bewertet

Kommentare (2)

Versandhändler für die Generation von gestern?

Natürlich würde ich auch kein MacBook bei Otto suchen, eventuell noch bei Otto-Office. Aber es gibt heute über 20 Millionen Rentner, von denen noch nicht so viele mit dem Internet aufgewachsen sind. Die 10 Herrschaften zwischen 65 und 90, die ich kenne, haben kein Internet.Und in einem Pflegeheim mit über 80 Bewohnern hat 1er Internetanschluß.
In vielen ländlichen Bereichen wäre Internet nur mit den, noch zu teueren, Funkverbindungen zu erhalten.
Über 7 Millionen Geringverdiener, die ALG II - Empfänger und ein Teil der ALG I
- Empfänger sind auch nicht die unbedingten Internetkunden.
Wer seine Ware gern auf Rechnung erhalten und nicht die Karten- oder
Bankdaten ins Netz stellen möchte, ist beim Internetshop auch nicht unbedingt gut aufgehoben.
Aus dieser Sicht ist der klassische Versandhandel heute noch nicht von gestern, wird aber mit Eurer Generation und Euren Kindern und zunehmender Verbesserung der technischen Voraussetzungen für das Internet in dieser Form wegfallen.
Da haben dann nur noch die Armen und Geringverdiener das Nachsehn - wer will
denn auch schon unter www.die Tafel.de ein verfallenes Brot bestellen!

24.08.2009 - 14:19
geschrieben von
M.L.

keine Kritik an gestern

Bei meinem Beitrag geht es nicht, um die Frage ob Katalog-Versanshäuse im allgemeinen eine Berechtigung haben (z.B. in bestimmten Zielgruppen), sondern um die Frage, ob auch sie bei der Zielgruppe im Internet angekommen sind. Konnten sie ihre Stärken bei der Portierung ihres Konzeptes nutzen oder ist der Heimvorteil verpufft? Interessant ist es zu sehen, wohin die Strategien in den nächsten Jahren gehen werden. Am Katalog und der Offline-Zielgruppe festzuhalten ist endlich. Das wissen die Versandhäuser!

25.08.2009 - 10:59
geschrieben von
Denis
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