Bopaboo - MP3 second hand handel
In Amerika startete diese Tage eine kleine Neugründung mit den Versuch dem Musikmarkt neu aufzumischen. Was schon immer bei Schallplatten und CDs geht, soll nun auch mit MP3s möglich sein. Wenn Du eine CD hast, die dir nicht mehr gefällt, verkaufst du sie bei ebay oder Amazon. Im Bereich der Schallplatten hat dies ja Kult-Charakter. Warum also nicht bei MP3s?

Das Konzept des Portals ist schlicht und einfach, wird aber dennoch bei der Industrie für große Aufregung sorgen. Ob der Service lange Bestand hat, bleibt fraglich.
Bisher wird laut Industrie im hohen Maße illegal getauscht. Unter den Begriffen: "free mp3 downloads" tummelt sich im Netz so einiges, was mir dubios erscheint. Auf dem Portal hingegen soll es möglich sein, eigene unbeliebte MP3 Stücke (DRM frei) in einen eigenen Store zu laden. Dort kann das Stück nur einmal für einen Preise um 25cent verkauft werden. 20% Provision gehen an bopaboo. Das mit dem MP3 verdiente Geld kann vom Verkäufer jedoch nur für Einkäufe auf bopaboo verwendet werden. Wer keine Tracks zum Tauschen hat, kauft mit richtigem Geld ein, so das Konzept.
Wenn ich allerdings meine MP3 Tracks mehrfach versilbern möchte, dann bräuchte ich nur mehrere Accounts anlegen und dort das ganze Portfolio ebenfalls anbieten. Wie auch immer, die Musikindustrie wird hier sicher nicht tatenlos zusehen.
Die private beta von bopaboo ist derzeit nur in den USA zugänglich. Wir können also selbst nicht testen.
Grundsätzlich wirft dieser Ansatz wieder eine der alten Fragen auf. Warum darf ich eine Ware bei nichtgefallen nach Monaten oder Jahren nicht weiterverkaufen oder darf ich? Bei Musik als MP3 oder anderes digitales Format, wird die Antwort von der Musikindustrie schier verdrängt. Jedes Möbel, jedes Foto, jeder Schallplatte kann man verkaufen und ggf. sogar mehr damit verdienen, als man ausgegeben hat.
Die einfache Kopierbarkeit einer Software oder Datei macht den Tausch zum Problem. Denn bis heute ist ungeklärt, wie man sicherstellen will, ob eine Musikdatei bereits in meinem Besitz war und ob ich sie nach Verkauf wirklich gelöscht habe. Dazu kommt, dass die Dateien auf quasi allen Geräte physische gespeichert werden müssen, damit sie überhaupt gespielt werden können. D.h. schon zuhause habe ich die MP3 auf meinem Computer, meinem Laptop, auf dem Handy und ggf. schon auf CD im Auto. Wenn mir der Track nicht mehr gefällt muss ich ihn überall sicher entfernen, damit ich ihn verkaufen dürfte. Ohne DRM kann ich mir eine Absicherung dessen gerade schwer vorstellen. Doch DRM will keiner haben.
Kauft man heute also eine MP3 auf Lebenszeit? Kann ich sie meinen Kindern vererben, so wie mancher Vater stolz seine Plattensammlung angeboten hat?
Der Kern des Problems liegt in meinen Augen darin, dass eine MP3 (CD) heute fast mehr kostet, als früher eine ganze CD oder eine Platte, man aber nicht mal Hardware dazubekommt und nun die Musik auch nicht mal mehr als Wertanlage sehen kann. Hier stimmt ja irgendwas nicht.
Bei einem Preis von 25cent pro Titel fänd ich die Diskussion um den Tausch von Musik überflüssig. Bei zwischen 99-150 cent allerdings muss sich die Musikindustrie die Diskussion gefallen lassen und eine Lösung hervorbringen, die allen genügt.