Das Betreuungsgeld aus Dresdner Sicht
Sehr geerte Frau Bundeskanzlerin, sehr geehrte Familienministerin,
lassen Sie mich zunächst eine Einladung ins sächsische Provinzstädtchen Dresden aussprechen. Hier, wo sich der sozialpolitische Eingriff der DDR Ende der 1970er Jahre, nämlich die Gewährung eines einjährigen Erziehungsurlaubes bei voller Lohnfortzahlung für das zweite Kind, und des damit verbunden Geburtenanstiegs Zweitgeborener heute wieder bemerkbar macht. Wir "Betroffene" von damals sind heute zwischen 30 und 40 Jahre alt und wehren uns inständig gegen die Alterung der Bevölkerung Dresdens. Selbiges nicht mittels Erfinden neuer Versicherungen, sondern wir reproduzieren uns und hoffen auf spätere Tatkraft unserer Sprößlinge. Läuft man mit offenen Augen durch unsere Stadt, sieht man Schwangere, Kinderwagen Kleinkinder - schön!
Und nun das Problem und nein, es ist nicht das am Herd stehen Thema - Es war für Sie und die für Sie tätigen Statistiker vor einigen Jahren anscheinend nicht möglich, eine derartige "Bevölkerungsexplosion" vorauszusehen. Es wurden Kindertageseinrichtungen und Schulen geschlossen, Studiengänge für Grund- und Mittelschullehrämter gestrichen, Schulen abgefertigt und Erzieher in andere Bundesländer gejagt.
Heute fehlt es an all dem. Kein frisch gebackenes Elternpaar kann sich in Dresden derzeit sicher sein, ob es sein Kind ein Jahr später zu einem erschwinglichen Entgeld "unter kriegt". Im Umkehrschluss bedeutet das nichts anderes, als eine Gefährdung des Arbeitsplatzes! Kann ich mein Kind nicht "abgeben", verliert ein Partner seinen Job und geht zum Sozialamt. Hier kommen Sie nun mit Ihrem Kompromiss ins Spiel, denn mit Hartz V bekomme ich natürlich kein Betreuungsgeld und damit es nicht zu einfach wird, bekomme ich als Hartz V Empfänger natürlich auch keinen KiTa-Platz!
Ich werde somit
- aus wirtschaftlichem Fehldenken bestraft
- Mit dem Zeugen eines Kindes in die Arbeitslosigkeit gestürzt und
- für Ihren faulen Kompriomiss und zur Rettung der Koalition zur Rechenschaft gezogen!
Wenn Sie sich dann noch dahin stellen und Konferenzen zur finanziellen Abfederung der alternden Bevölkerung abhalten müssen, sollten bei Ihnen anhand des simplen Dresdner Beispiels die Alarmglocken läuten. Und noch weitere Stichworte dazu:
- 10 Tage Krankengeld für ein Kind - danach leere Hände
- 150€ sollen eine ordentliche Betreuung gewährleisten? - Ein Zirkus wollte kürzlich für mich und meinen 3jährigen Sohn z.B. 30€ Eintritt haben
- Eine Schulklasse oder KiTa-Gruppe ist erst zu klein, wenn auf ein Kind zwei Lehrer oder Erzieher kommen - Es gibt halt Geburtenschwächere Jahrgänge
- Die Wirtschaft beschwert sich akkut über einen Mangel an gut ausgebildeten jungen Menschen - warum hier nicht besser zusammen arbeiten?
- Die Alterung der Bevölkerung hält man am Besten auf, wenn man die Bevölkerung animiert, Nachwuchs zu zeugen!
Vielleicht gehen Sie einfach mal wieder auf die Straße, hören den Menschen zu, lassen Ratingagenturen und Sicherheitskonferenzen einfach beiseite, oder bringen zumindest mal neue Leute und frischen Wind in Ihren Führungszirkel.
Besten Dank und mit freundlichen Grüßen,
Ron Kappler, seines Zeichens Steuerzahler und Vater zweier Kinder
PS: Das Titelfoto wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Nico Benedickt
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Kommentare (1)
Besser planen als bei Schulplätzen kann man eigentlich gar nicht
Eigentlich ist es einfach. Gerade was die Schulen betrifft. Man hat einen Vorlauf von 6-7 Jahren eh die "Brut" in besagte Schulen kommt. Ergo, ich weiss 6-7 Jahre vorher wie viel Kinder eingeschult werden. Beispiel Jena, da wurden vor 5 Jahren 3-4 geschossige Schulen saniert und weil damals zu wenig Kinder da waren auf 2 Stockwerke reduziert. Ihr ahnt was jetzt kommt... Heute gibt es zu wenig Schulplätze, man denkt an Neubau bzw. (Achtung: Hammer) Aufstockung der sanierten und gestutzten Schulen. Noch mal: man weisst recht genau wie viel Kinder 6-7 Jahre später in die Schule kommen. Vor 5 Jahren reduzierte man Schhulplätze.
geschrieben von
Thorsten