Das T-Phone - oder warum wir das iPhone nicht bei der Telekom kaufen wollen
Eines vorweg: ich hatte bei Gravis in Hamburg so ein schickes iPhone schon in der Hand. Ich muss sagen, es ist erfreulich, dass es so viele Jahre nach der Koexistenz von MP3 Playern, Digitalkameras, PDAs und Mobiltelefonen endlich eine "Alternative" gibt, die alles in einem Gerät zu vereinen versucht und dabei nicht wie eines der Geräte aussieht. Das Zögern der Industrie endlich eine vernünftige Mischung auf die Beine zu stellen, habe ich von Anfang an als "Trick am Kunden" verstanden. Es wird alles immer bis zum letzten ausgereizt, obwohl die Technologie hoffnungslos veraltet ist. Oder warum werden Leute mit interpolierten 8 Megapixel-Kameras verarscht ausgetricktst, wenn dahinter nur 4 Megapixel stecken und das digitale Ergebnis einfach nur "grottig" ist?
Letztlich hatte ich das Gefühl, dass erst mit dem Einstieg von Sony bei Erricson die multimediale Vielfalt auch beim Mobilfunk Einzug gehalten hat, wenn auch schleppend.
Das iPhone ist nett, und bringt die Apple™ typische Produkt- und Softwaresprache mit sich. Doch es wird wesentlich dicker aufgetragen, als es zum aktuellen Zeitpunkt wert ist. Hype ist aber Hype.... und jedes Gespräch trägt dazu bei. Daher ist an einem gewissen Erfolg auch in Deutschland nicht zu zweifeln. Ich sehe die größere Chance allerdings für uns Nutzer darin, dass nun auch die anderen Hersteller einfach gezwungen sind, neu zu investieren, nachzuziehen und mehr zu riskieren, was in den letzten Monaten auch schon offensichtlich wurde.
Bei 8GB Festspeicher, 2MP-Kamera, Software-Reglementierung und Screenkeyboard hört bei mir der Spaß allerdings auf. In diesen Punkten glaube ich schon wieder veralbert zu werden, Steve.
Dicker kommts aber mit der Vertriebspolitik von Apple™. Man will also unter sich sein, sucht sich nur die potenten Partner, die das erforderliche Hype-Marketing auch stemmen können. Wahrscheinlich wird das iPhone auch deshalb billiger, weil die Telekom so viel Kohle beim Telefonat abgeben muss. Was sagen eigentlich Kartellamt und Verbraucherschutz dazu? Für mich grenzt das schon an Erpressung, wenn ein Hype erzeugt wird, der dann keine Wahlmöglichkeiten mehr zu lässt. Ich halte diese Taktik für höchst fragwürdig! Egal wie flat die T-iPhone-Flat wird.
Aber die Telekom macht ja jetzt auf jung und braucht die "Penunzen". In meinem Bekanntenkreis macht sich allerdings eher eine Verweigerungsstimmung breit, die in diesem Fall leicht zum Nachteil für Apple wird, denn die Entscheidung für's T polarisiert. Ich mache mir keine Sorgen - es werden schon genug Leute hinrennen. Einige werden sich allerdings schon Gedanken darüber machen, ob ein Gadget wie das iPhone wirklich so viel Potenzial hat, die eigenen Persönlichkeit dermaßen aus der Bahn zu schlagen, dass man nur deshalb zur Telekom zurückwandert. Denn mehr als bei allen anderen Anbietern ist man aus gutem Grund von der Telekom weg.
Sich dermaßen für das iPhone zu "prostituieren" halte ich allerdings auch für ein hohes Risiko auf Seiten der Telekom. Es zeugt doch eher von mangelnder Eigenkreativität, die man zum Beispiel O2 und E-Plus (Base) in keiner Weise absprechen kann.
Ärgerlich, dass Jobs mit seiner Politik auch in Europa angekommen ist. Da hätte ich mir von den europäischen Mobilfunkanbietern mehr Selbstvertrauen gewünscht. Aber am Ende werden diese Entscheidungen von wenigen Leuten zu Gunsten von Umsatz und Aktionärsbefriedigung getroffen. Marktwirtschaft.
Wenn ich dann mal jemanden mit 'nem iPhone rummrennen sehe, denk ich: "Wow, Du bist bei der Telekom?" oder "Cool, Du hasts gehacked?"
PS.: les ich doch gerade, dass die Telekom knapp 30% der Umsätze an Apple verschieben soll? Das ist weit kühner behauptet als ich im Spiegel (10%) lesen konnte.
http://www.intomobile.com/2007/09/19/apple-taps-t-mobile-as-german-iphone-carrier.html
