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Seahaven 2015 - denn sie wissen, was du tust.

Meteorologen haben es an sich sehr schwer, funkt Ihnen doch häufig eine göttliche Kraft ins Handwerk. Zu den wetterbedingten Beeinträchtigungen beim Blick in die Sonne gesellen sich nun mehr und mehr technisch angehauchte Himmelsgebilde, Wolken und Wölkchen. Wer aber wird hier künftig Herr über den siebten Himmel sein, der vom griechischen Philosophen Aristoteles als "Bereich, der die Welt mit all ihren Planeten, Sternen, Monden und Sonnen gegen das Nichts abschließt“ beschrieben wird.
 
Spätestens mit der Ankündigung von Branchenriese google am 10.01.2012, private "soziale" Inhalte direkt in das Suchergebnis des Nutzers einfließen zu lassen, kann der Krieg der Wolken als offiziell eröffnet gelten, werden doch künftig zahlreiche Wölkchen um willfährige Tropfen werben, damit sie irgendwann einmal Wolken sein können.

Facebook, Amazon, Apple, Microsoft, HP, Lenovo usw. - alle arbeiten sie zumindest schon einmal an Diensten, die Nutzer hinter der heimischen Festplatte hinein ins Himmelsvergnügen locken sollen. Dort wo sie auf den Anbieter-Servern ihre Datenspuren hinterlassen können.  Dort, wo sich "soziale" Kontakte zwischen Tropfen analysieren lassen. Dort, wo sich niemand mehr um Betriebssysteme, Software etc. kümmern muss. Dort, wo sie unbewusst geführt und geleitet werden. Dort, wo sie Ihr Geld lassen können, weil sie immer die passenden Produkte zuerst finden. Einfach dort, wo es schön ist.

Aber - wer wird der Himmelsgott, wer lässt Wolken abregnen, damit sich die Tröpfchen neu gen Himmel orientieren können? Diese Frage wird sich wohl in nicht allzu ferner Zukunft beantworten lassen, sofern man dann noch in der Lage ist, den Gewinner der Schlachten zu erkennen.

Hatten wir alles schon? Hatten wir beispielsweise schon in ähnlichen Ansätzen mit den Browserkrieg 1995 – 1998 zwischen Microsoft und Netscape den Microsoft schlussendlich 2001 mit der Veröffentlichung des Internet Explorer 6 vorerst für sich entschied, aufgrund interner Stagnation einem erneuten Aufflammen ab etwa 2004 aber nicht im Wege stand.

Mag Facebook aktuell häufiger im Fokus der Medien stehen, zum Beispiel aus Gründen des Datenschutzes oder des geplanten Börsengangs, läuft google im Hintergrund mit stoischer Ruhe und wie ein Duracell-Häschen stabsplanmäßig auf das sich mittlerweile andeutende Ziel zu. Nutzer in all Ihren Facetten zu nutzen, um Nutzern so viel wie möglich zu verkaufen und ihnen dabei eine heile und in sich geschlossene Welt vorzugaukeln, wie sie schöner nur im unberührten Städtchen Seahaven (Kulisse für den Film "Truman Show") sein kann - die Cloud.

Mit einem im Web fast biblischen Alter von 35 Jahren hat der Autor den Weg google‘s von Anbeginn der Zeit miterleben können und ist mittlerweile vom Umfang der Vorbereitung auf die Konfrontation mit Mitbewerbern einerseits schwer fasziniert und andererseits beängstigt. Seit sich die ersten Unternehmenserfolge einstellten stockte google rund um die Suchmaschine sukzessive auf. Neben der Verbesserung der Suchalgorithmen kamen neue selbst entwickelt Dienste hinzu , wurden hinzugekauft oder bei nicht Gefallen wieder abgestoßen. Unter dem Vorwand der kostenfreien und exklusiven Nutzung werden zudem seit jeher Nutzer als Testkandidaten herangezogen. Über die Jahre hinweg wurde Stein für Stein die schöne neue Welt aufgebaut und mittlerweile hat man so langsam alles zusammen, was auf herkömmlichen Desktop-Rechnern auch geboten wird.

Nur die persönlichen Daten nicht mehr. Die werden in riesigen Rechenzentren auf der anderen Seite der Welt verwaltet und können anhand der Nutzeraktionen,  -interaktionen und genutzten Diensten wunderbar miteinander verknüpft werden. Freunde von Verschwörungstheorien sehen hinter google mit Sicherheit nicht das Unternehmen bzw. die Idee von zwei Studenten - das aber nur beiläufig.

Ohne google? Geht nicht!

Eines sollte aber mittlerweile klar sein: Man kann bei der täglichen Bewegung im Internet kaum noch an google vorbei gehen, sofern man sich nicht hartnäckig dagegen sträubt:

  • Sucht man etwas – google
  • Besucht man etwas – google Analytics
  • Sucht man Video oder Musik – schnell zu Youtube (google)
  • Will man seine Fotos im Web teilen – Picasa (google)
  • Sucht man einen Standort – google Maps
  • Termin verwalten – google Calendar
  • Ist man in den USA krank – Krankenakte bei google
  • Will man seine Links sammeln – google Bookmarks
  • Oder gleich direkt Tagebuch führen? – Blogger
  • Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Bildschirmpräsentationen und Zeichnungen zum "Mitnehmen" - google docs
  • Wahlkampf in den USA – google informiert
  • Schnell die URL mit google’s URL Shortener gekürtzt und hier dann der Link zu einer Liste aller Dienste

Perfektioniert - oder sagen wir besser zusammengezogen - wird das Ganze vorerst via Browser – google Chrome – der sich in Schnelligkeit und Funktionsfreude von den Browsern anderer Platzhirsche so langsam absetzt, zumal google einer der Hauptsponsoren der Mozilla Foundation ist und diese bei Geldentzug gehörig ins straucheln bringen kann.

Einen weiteren Baustein stellt das Betriebssystem bzw. die Software-Plattform Android für mobile Endgeräte wie Smartphones, Mobiltelefone, Netbooks und Tablets dar, die von der Open Handset Alliance (Google ist hier führendes Mitglied) entwickelt wird.

Abgerundet wird das Gesamtpaket vom hauseigenen Betriebssystem Chromium OS, ausgeliefert auf Chrome Books, in Verbindung mit dem persönlichen Account als Fenster in die Welt der google-Dienste. Ah, Du bist sogar eingeloggt – Danke, Du machst es uns noch einfacher!

Willkommen, hier sind wir nun. Wir kennen Dich, weil wir viel über Dich gelernt haben. Wir wissen, wer Deine Freunde sind. Dein Handy verrät uns Deine täglichen Bewegungen. Wir schauen, wo Du einkaufst und was Dich interessiert. Anhand Deiner Einkäufe wissen wir auch, wie viel Du bereit bist, für etwas zu bezahlen. Wir kennen Deine monatlichen Ausgaben. Wir wissen über Erfolg oder Abbruch bei Kreditkartenzahlungen Bescheid. Wir kennen Deine täglichen Bewegungen im Internet und wissen ob Deiner Vorlieben. Wir könnten uns vorstellen, dass wir hier und da mehr aus Dir rauskitzeln können. Du willst aus unserer Welt ausbrechen – warte, wir haben hier was Interessantes für Dich, Deinen Freunden hat das auch gefallen und alle haben es. Du fragst uns nach Neuigkeiten – klar gerne. Haben wir alles schon für Dich vorbereitet. Du willst selber Denken? Mach nur und schreib es hier hin. Wir schauen dann, ob wir es weiterempfehlen oder gekonnt links liegen lassen. Du hast Dich an das alles hier gewöhnt – Dein Rechner kann nicht mehr anders als mit uns – Es macht Dir doch sicher nichts aus uns pro Monat einen gewissen Betrag zu spenden – für den ganzen Aufwand und den Verwaltungskram. Du willst was an den Mann bringen? Zeig her, wir machen das für Dich und nehmen X% Provision. Frag nicht, wir wissen was du brauchst. .……….

Wir wissen, dass Du in einer Internetagentur arbeitest und uns bei all dem hilfst. Danke!

Behaltet den Hinterausgang im Auge – wir sehen uns 2015

Ach, wolltest Du nicht noch … ;-)

Buchtipp

Im Zusammenhang zu diesem Artikel ist möglicherweise auch das Buch "Next - Erinnerungen an eine Zukunft ohne uns" der Autorin Miriam Meckel (Amazon-Link) interessant. Das Buch handelt von einer Welt, in der Computer-Algorithmen die Herrschaft über das Sein übernommen haben.

16.01.2012
veröffentlicht von:
Ron Kappler
veröffentlicht in:Mind Box

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